UNO: Weniger Migranten erreichen Europa über das Meer - doch mehr sterben beim Versuch
In diesem Jahr haben nach UN-Angaben bisher weniger Flüchtlinge und Migranten die Bootsüberfahrt nach Europa versucht, auf dem gefährlichen Seeweg sind aber mehr Menschen ums Leben gekommen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) gab die Zahl der Flüchtlinge per Boot bis Mitte September am Donnerstag mit 60.000 an - das entspricht einem Rückgang von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch starben demnach 2292 Menschen bei der Überfahrt, im Vorjahr waren es 1999 gewesen.
"Fast jeder Todesfall und jedes Verschwinden auf See ist vermeidbar", erklärte IOM-Generaldirektorin Amy Pope. Sie fügte hinzu, die Zahlen zeigten, dass die Menschen zunehmend gefährliche Überfahrten auf sich nähmen.
Der stärkste Rückgang war den Angaben zufolge auf der Route über das Mittelmeer nach Italien zu verzeichnen. Demnach gelang bis Mitte September 21.393 Menschen die Überfahrt nach Italien - im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als doppelt so viele. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesopfer von 844 auf 996. Die Route nach Spanien über das Mittelmeer und den Atlantik war die danach am tödlichste.
Italienische Menschenrechtsgruppen übten unterdessen scharfe Kritik an Ermittlungen gegen Ärzte, die Migranten ohne Aufenthaltsstatus dabei geholfen haben sollen, einer Unterbringung in Abschiebehaft zu entgehen. Am Mittwoch hatte es deshalb 21 Durchsuchungen bei Medizinern gegeben. Die Ärzte müssten aber "ihre Aufgaben ohne äußere Einflussnahmen" erfüllen können, erklärte Ärzte ohne Grenzen am Donnerstag.
In Italien gibt es neun Abschiebe-Haftanstalten. Die rechtsgerichtete Regierung will weitere Einrichtungen außerhalb der EU aufbauen und wird dabei von anderen Mitgliedstaaten unterstützt, darunter auch von Deutschland. Italien hatte solche Zentren bereits in Albanien eröffnet.
H.Marquez--GM